Konzept

Kurzkonzept Geschwisterkindertage

 

1. Einleitung

Geschwister von behinderten Kindern leben häufig in sehr belasteten Familien. Ein behindertes Kind bedeutet mehr Sorge und mehr nötige Zuwendung. Verhaltensauffälligkeiten oder die medizinische Versorgung des behinderten Kindes erfordern einer besondere und zeitintensive Beschäftigung mit dem Kind. Häufig entsteht auch ein großer organisatorsicher Aufwand, da Therapien, Krankenhausaufenthalte, Hilfsmittel und ähnliches von der Familie organisiert werden müssen.

Dies zerrt an den Kräften der Eltern und nimmt viel Zeit und Energie in Anspruch. Die Geschwisterkinder übernehmen zum Teil schon viel Verantwortung um ihre Eltern zu entlasten und sorgen sich ebenfalls um das Geschwisterkind.

Häufig geht das damit einher, dass sie nicht „noch mehr Ärger“ verursachen möchten, und deshalb bemüht sind sich sehr angepasst zu verhalten und „gut zu funktionieren“.

Dies hat zum einen häufig eine ausgeprägte soziale Kompetenz zur Folge und fördert die Selbstständigkeit der Kinder. Zugleich stellen Geschwister von behinderten Kindern aber häufig ihre eigenen Bedürfnisse zurück und lernen sich nicht so wichtig zu nehmen. Das oft sehr vernünftig und reif erscheinende Verhalten der Kinder kann zur Überforderung führen.

Einfach einmal Kind sein dürfen, sich mit sich selbst beschäftigen und eigene Bedürfnisse aufspüren und ausdrücken – hierbei können die Geschwister von behinderten Kindern Unterstützung gebrauchen.

2. Zielgruppe

Das Angebot richtet sich an Geschwister von Menschen mit Behinderung, im schulfähigen Alter ab 7 Jahren. Die soll als Einstiegsalter gesehen werden. Ältere Kinder können sich die Geschwisterkindertage gerne Probehalber besuchen um zu sehen ob ihnen die Zusammensetzung der bestehenden Gruppe zusagt. Zudem ist es auch wichtig das die Gruppe weiterhin harmonisiert. Natürlich kann an den Geschwisterkindertagen auch nach dem 15. Geburtstag teilgenommen werden. Inhalte, Anforderungen und Aufgaben werden dem jeweiligen Alter angepasst.

Auch Geschwister von chronisch kranken Kindern können teilnehmen, wenn diese Krankheit zu einer Behinderung des Kindes führt, bzw. führen kann.

3. Struktur des Angebots

Die Geschwisterkindertage finden samstags von 11 bis 17 Uhr statt. Es werden 10  Geschwisterkindertage im Jahr angeboten, dazu finden zwei offene GK Aktionstage statt.

Anmeldungen gelten dann für ein komplettes Jahr.

Die Geschwisterkindertage werden von mindestens 2 ausgebildeten pädagogischen Fachkräften begleitet, sowie von weiteren Kollegen unterstützt. Das Ziel ist es einen hohen Betreuungsschlüssel einzurichten, damit jedes Kind ausreichend in seiner Persönlichkeit gesehen werden kann und das Gefühl bekommt im Fokus zu stehen. Die Kinder sollen sich nicht zurückstellen müssen.

4. Inhalte

Die Geschwisterkindertage beschäftigen sich mit den alltäglichen Fragestellungen der Geschwisterkinder, die sich aus dem Leben mit einem behinderten Kind in der Familie ergeben. Beispiele hierfür sind:

Darf ich Wut gegenüber meinem behinderten Geschwister empfinden?

Wo bleiben meine eigenen Bedürfnisse? Darf ich mehr für mich einfordern?

Wie gehe ich mit Hänseleien um?

Bin ich mitschuldig an der Belastung meiner Familie?

Darf ich machen wozu ich Lust habe?

Was bedeutet die Behinderung meines Geschwisters?

Diese Fragestellungen werden altersgerecht aufbereitet und mit den Kindern spielerisch bearbeitet.

Wichtig ist dabei, dass die Kinder Zeit und Raum finden sich mit sich selbst und ihren eigenen Bedürfnissen zu beschäftigen. Deshalb befasst sich ein Großteil der Geschwisterkindertage mit Spielen und Aufgaben, bei welchen die Kinder sich selbst besser kennenlernen, ihre Interessen, Vorlieben und Abneigungen formulieren dürfen und diese kreativ darstellen können.

Den Kindern soll ein Raum gegeben werden, in dem alle Fragen gestellt werden dürfen und sie auf Akzeptanz stoßen, auch wenn negative Gedanken gegenüber dem behinderten Geschwister geäußert werden. Eine Tabuisierung der Behinderung des Geschwisters wird durch ein offenes Klima und der Beschäftigung mit Fragen der Kinder zur Behinderung aufgelöst.

Ein erlebnispädagogischer Anteil ermöglicht den Kindern eine körperliche Selbsterfahrung, ein Erleben der eigenen Möglichkeiten und Grenzen und eine Konzentration auf die eigene Person.

Zugleich sind die Geschwisterkindertage ein Forum in dem sich Kinder in ähnlichen Lebenssituation kennenlernen und austauschen können. So wird die Erfahrung gemacht, dass die Kinder mit ihrer ungewöhnlichen Familie nicht alleine sind.

Haben die Kinder eigene Anregungen und Themen, die bislang nicht vorgesehen waren, werden sie in die Gestaltung der Geschwisterkindertage mit aufgenommen.

Die Geschwisterkindertage sollen ein Ort sein, in dem die Kinder unbedarft alles äußern können, was sie beschäftigt. Aus diesem Grund wird den Kindern zugesichert, dass nichts nach außen getragen wird, auch nicht an die Eltern. Die Kinder werden gefragt, wieviel sie preisgeben mögen.

5. Ablauf und Methoden

Schatzkisten: Jedes Kind erhält zu beginn der Geschwisterkindertage eine kleine Schatzkiste, in welcher persönliche Gegenstände und Geheimnisse aufbewahrt werden können. Die Schatzkisten dürfen zum Ende des Schuljahres mit nach Hause genommen werden.

Die Kinder können die Geschwisterkindertage selbst mit Fotos und Logbucheinträgen auf der internetseite www.geschwisterkindertage.de selbst dokumentieren.

Arbeitseinheiten: Es finden ca. 2-3 Arbeitseinheiten pro Tag statt, in diesen werden die Themen und Fragestellungen bearbeitet. Je nach Gruppengröße werden die Kinder hierbei in kleinere altersgerechte Gruppen aufgeteilt.

Essen: Das servicewohnen bereitet etwas zu Essen vor. Es werden auch Süßigkeiten und süße Getränke angeboten, da auch das Essen den Wünschen der Kinder entsprechen soll.

Wünsche: Die Kinder dürfen am Ende des Tages Wünsche äußern, die nach Möglichkeit erfüllt werden. Diese können das Essen betreffen, aber auch Spielideen und andere Anregungen zu den Geschwisterkindertagen.

ServiceWohnen, alsterdorf assistenz ost gGmbH, Juni 2011

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